Fragen und Antworten zu DMÖ und AMD

Eine Augenärztin informiert

PD Dr. Huber-van der Velden
Privatdozentin Dr. Klaudia Huber-van der Velden

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) und das diabetische Makulaödem (DMÖ) sind chronische Erkrankungen, die unbehandelt zur Erblindung führen können. Die ersten Symptome und vor allem die definitive Diagnose verunsichern die Patienten. Sowohl ihnen als auch ihren Angehörigen stellen sich plötzlich viele Fragen.

Einige davon hat die niedergelassene Augenärztin Privatdozentin Dr. Klaudia Huber-van der Velden aus Köln im Rahmen einer Telefonaktion beantwortet.

Auf dieser Seite können Sie die Fragen und Antworten nachlesen.

Larissa aus Willich: Meine Mutter (53) hat vor kurzem die Diagnose AMD bekommen. Auf der OCT-Aufnahme waren zwei Drusen zu sehen. Man hat ihr allerdings nicht gesagt, um welche Form der Makuladegeneration es sich handelt. Generell hat sie gehört, dass man bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) Zink und Vitamine einnehmen kann. Bringt das etwas? 

Wenn zwei Drusen zu sehen waren und keine Hinweise auf Feuchtigkeitsansammlung vorhanden war, handelt es sich wahrscheinlich um die trockene Form der AMD. Generell helfen Antioxidantien bei trockener AMD; grünes Gemüse enthält diese und auch Nahrungsergänzungsmittel. Insbesondere die Einnahme von Zink und Lutein haben in einer großen Studie, der sogenannten AREDS Studie, einen positiven Effekt gezeigt. 


Petra aus Hannover: Meine Schwiegermutter hat grauen Star, beide Augen sind operiert. Nun hat sie zusätzlich noch eine feuchte Makuladegeneration in einem Auge und soll dagegen Spritzen bekommen. Muss das wirklich sein? Und geht das mit den Spritzen mit der künstlichen Linse?

Ja, es ist sehr wichtig direkt mit den Spritzen zu beginnen. Zunächst werden drei Spritzen im monatlichen Abstand gegeben. Wir nennen das Upload. Es ist gut und völlig unproblematisch, dass die Katarakt-OP bereits erfolgt ist. Die feuchte Makuladegeneration ist eine chronische Erkrankung, deswegen muss Ihre Schwiegermutter regelmäßig gespritzt werden und die Therapie fortsetzen.


Anna aus Groß-Umstadt: Meine Schwiegermutter hat Altersdiabetes und viel Angst vor Folgeerkrankungen. Was ist denn dieses DMÖ? Davon hat sie – glaube ich – noch nie gehört. Sie schaut nur immer aufs Herz und auf die Nieren. 

Als Diabetiker empfiehlt es sich unbedingt einmal im Jahr zum Augenarzt zu gehen. Diabetes verändert die Gefäße, insbesondere auch die kleinen Gefäße im Auge. Es kann zu einer diabetischen Netzhauterkrankung kommen, bei der es u.a. zu Einblutungen kommen kann. Je länger man Diabetes hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Veränderung im Auge kommt. Es gibt sogenannte „Disease Management Programme“ zur Überwachung des Diabetes. Im Rahmen dieser Programme, aber auch so, kann der Diabetologe oder Hausarzt einen Diabetiker zum Augenarzt schicken. Der Augenarzt führt dann eine Untersuchung der Netzhaut durch und informiert anschließend wiederum den Diabetologen über mögliche Veränderungen, die mit dem Diabetes in Zusammenhang stehen, wie zum Beispiel das diabetische Makulaödem (DMÖ). 


Christopher aus Hamburg:  Mein Vater (70) hat eine Makuladegeneration und soll Spritzen ins Auge bekommen. Kann er in den Urlaub fahren, wenn er eigentlich jetzt seine Spritzen bekommen sollte, oder muss das sofort behandelt werden?

Es gilt hierbei: Je schneller desto besser. Die erste Spritze sollte so schnell wie möglich gegeben werden, damit der Visus, also das Sehvermögen, so gut wie möglich erhalten werden kann. Nach der ersten Spritze haben Sie vier Wochen Zeit, bis die nächste Spritze gegeben werden muss. Sie starten mit drei Spritzen, im Abstand von jeweils vier Wochen. Zwischen den Terminen für die Spritzen können Sie selbstverständlich in den Urlaub fahren. 


Tom aus Stuttgart: Mein Opa (75) hat die Diagnose feuchte Makuladegeneration vor zwei Jahren erhalten. Er bekommt eine Behandlung mit Spritzen, zu der ich ihn monatlich immer fahren muss. Wie lange dauert so eine Behandlung?

Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, werden diese Spritzen wahrscheinlich dauerhaft erfolgen. Laut Studienlage braucht man im ersten Jahr ungefähr neun Spritzen. Danach können es weniger Spritzen werden. Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle, denn solange man die Injektion verabreicht, bleibt der Visus, also die Sehschärfe, meist erhalten. In manchen Fällen kann sich das Sehvermögen sogar verbessern. Die Feuchtigkeit, die sich aus den „schlechten“ Gefäßen ansammelt, kommt immer wieder, deswegen müssen die Spritzen wiederholt werden. Damit das Sehvermögen erhalten bleibt, sollte man hier wirklich dranbleiben.        


Gisela aus Düsseldorf (85): Mein Angehöriger bekommt schon seit einiger Zeit Spritzen ins Auge. Jetzt hat er Angst wegen Corona. Könnte er mit den Spritzen einfach einmal eine Pause machen? 

Es handelt sich wohl um eine feuchte Makuladegeneration. Hier gibt es eine klare Stellungnahme vom Bundesverband der Augenärzte: Bei der Injektionstherapie handelt es sich um eine Behandlung die nicht aufgeschoben werden sollte. Es wird unbedingt empfohlen, auch zu Corona-Zeiten die Injektionen verabreichen zu lassen, um eine bleibende Verschlechterung des Sehvermögens zu verhindern. Werden zu lange Pausen eingelegt, kann das Sehvermögen schlechter werden. Das, was verloren wurde, kann dann oft nicht wieder zurückgeholt werden, weil zum Beispiel Vernarbungen entstehen könnten. 


Gisela aus Düsseldorf (85): Ich habe Grauen Star: und wurde operiert. Ich gehe regelmäßig zum Augendruck messen zu meinem Arzt, seit Corona nicht mehr. Ist das ok? Damals hatte ich zu hohen Augendruck, eine Vorform eines Glaukoms, der Augenarzt wollte das kontrollieren.

Einmal im Jahr empfiehlt der Bundesverband der Augenärzte ab 40 Jahren den Augendruck kontrollieren zu lassen. Nach einer Grauen Star Operation kann der Augendruck etwas sinken, aber ob dies dann ausreicht, muss weiterhin kontrolliert werden. Also sollten Sie, auch trotz Corona, die Termine wahrnehmen. Wir Ärzte und alle in der Praxis tragen Mund-Nasen-Schutz und schützen somit Sie und uns mit diesen Vorkehrungen. 


Ulla aus Münster (79): Meine Schwiegermutter hat eine feuchte Makuladegeneration auf einem Auge, der Arzt wollte den Abstand der Spritzen ausweiten, ist das ok? 

Wir verwenden zwei verschiedene Spritzschemata: Beim einen wird dreimal im Abstand von vier Wochen injiziert und dann kontrolliert. Beim anderen, dem sog. Treat und Extend-Schema, was soviel bedeutet wie behandeln und verlängern, wird bei jedem Termin gespritzt und eine Kontroll-Untersuchung gemacht (ein OCT). Ist der Befund stabil, kann der Abstand zur nächsten Behandlung ausgedehnt werden. Das Schema funktioniert sehr gut. Dies wurde auch wissenschaftlich in Studien belegt. 


Kurt aus Paderborn (65): Meine Schwiegermutter hat AMD und nimmt regelmäßig Termine beim Augenarzt wahr. Er vergibt jetzt keine weiteren Termine. Sie hat über 1 ½ Jahre lang Spritzen bekommen. Die letzte Spritze war vor zwei Monaten.

Wenn an dem Tag eine OCT-Aufnahme gemacht worden ist und alles trocken war, ist das erfreulich. Aber auch danach sollten weiterhin Kontrollen stattfinden. Bei diesen Kontrollen sollte immer ein OCT-Bild gemacht werden, um zu sehen, ob die Makula wieder feucht geworden ist. Ihre Schwiegermutter sollten zuhause ein Amsler-Gitternetz zur Selbstkontrolle verwenden. Wenn die Linien sich krümmen oder sie Wellen sieht, sollten Sie darauf drängen, einen Augenarzttermin zu bekommen.


Eric aus Düsseldorf (47): Ich habe Typ-2-Diabetes. Beim Diabetes gibt es Typ-1 und Typ-2, gibt es diese Unterscheidung auch für das DMÖ?  

Beide Diabetestypen können das DMÖ entwickeln. Es kommt darauf an, wie gut oder wie schlecht der Diabetes eingestellt ist, wieviel Jahre man Diabetes hat und ob noch weitere Risikofaktoren hinzukommen. Über den Hausarzt oder den Diabetologen werden sogenannte „Disease Management Programme angeboten“. Im Rahmen dieses Programmes werden Sie dann einmal im Jahr zum Augenarzt geschickt. Dieser untersucht dann, ob diabetische Veränderungen am Auge zu sehen sind.


Inge aus Frankfurt (57): Meine Schwiegermutter ist Diabetikerin. Ist eine Vorsorge beim Augenarzt nötig?

Jeder Diabetiker soll einmal im Jahr zum Augenarzt, denn auch am Auge kann es diabetische Veränderungen geben. Der Diabetes greift die kleinen Gefäße an und es kann zu Veränderungen der Netzhaut kommen, es kann zum Beispiel ein diabetisches Makulaödem entstehen. Wenn das erkannt wird, kann das mittlerweile mittels Injektionen gut behandelt werden. 

 

Das könnte Sie auch interessieren