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Interview PD Dr. Hörster

Fragen und Antworten zum Thema Begleiterkrankungen bei Makuladegeneration

VisusVital-Interview mit PD Dr. Robert Hörster

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zählen zu den Volkskrankheiten in Deutschland. Besonders weit verbreitet ist der Bluthochdruck mit geschätzten 20 bis 30 Millionen Betroffenen. An Diabetes leiden über 6 Millionen und an Arterienverkalkung immerhin noch 4 Millionen Bundesbürger. Diese Krankheiten beeinträchtigen nicht nur die Allgemeingesundheit und beeinflussen die Lebenserwartung, sie können sich auch auf die Augen auswirken. Vor allem, wenn sie zusammen auftreten. 

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Aus diesem Grund sollten sowohl die Betroffenen als auch ihre behandelnden Ärzt:innen  Begleit- und Grunderkrankungen immer im Blick behalten. Im Interview gibt PD Dr. Robert Hörster, erfahrener Facharzt des Augencentrum Erkelenz, einen Einblick in seine tägliche Praxis und seinen Umgang mit diesem Thema.

 

Herr Dr. Hörster, eine Reihe an Erkrankungen kann sich auf die Gesundheit der Netzhaut auswirken, eine Makulaerkrankung verursachen oder deren Voranschreiten begünstigen. Welche dieser so genannten Komorbiditäten begegnen Ihnen im Praxisalltag am häufigsten?

 

Die häufigste Allgemeinerkrankung mit Auswirkungen auf die Netzhaut, die mir in meiner Praxis begegnet, ist sicherlich der Diabetes mellitus und zwar in seiner Form als Diabetes Typ II, der früher landläufig und nicht ganz präzise als „Altersdiabetes“ bezeichnet wurde. 

Auch der arterielle Bluthochdruck kann zu Erkrankungen an der Netzhaut führen. Zudem muss man wissen, dass ein Diabetes Typ II in vielen Fällen gemeinsam mit einem Bluthochdruck auftritt. Dies verstärkt dann die Probleme der Netzhaut, oder beschleunigt ihr Auftreten. Die häufigste Netzhauterkrankung ist dann die Wasseransammlung im Fleck des schärfsten Sehens, das so genannte Makulaödem. Wenn es auftritt, kommt es fast immer zu einem deutlichen Verlust an Sehschärfe und muss daher dringend behandelt werden. 
Auch der Verschluss eines Blutgefäßes der Netzhaut, die so genannte Venenthrombose ist häufig und wird durch diese Erkrankungen begünstigt. Auch hier kommt es dann zum Makulaödem, welches das Sehen beeinträchtigt.

 

Im Rahmen der Anamnese werden Vor- oder Grunderkrankungen festgestellt. Wie läuft diese Untersuchung üblicherweise ab?

 

Die Anamnese ist besonders beim Erstkontakt mit der Patientin oder dem Patienten wichtig. Hier werden die Allgemeinerkrankungen abgefragt. Auch die eingenommenen Medikamente werden erfasst. Manchmal sind das ziemlich viele. Deshalb ist es von großer Wichtigkeit, dass die Patientin oder der Patient einen aktuellen Medikamentenplan vom Hausarzt bei sich hat. Bestenfalls sogar einen Plan mit den aktuellen Diagnosen.
Aber auch bei Patientinnen und Patientinnen, die schon länger in Behandlung sind sollte man nicht vergessen, regelmäßig zu fragen, ob sich etwas an den Vorerkrankungen geändert hat oder neue hinzugekommen sind.

 

Ist es bei Ihren Patienten schon häufiger vorgekommen, dass Sie als Augenarzt eine Grunderkrankung erkannt haben, von denen Ihre Patienten nichts wussten? Wie gehen Sie und Ihre die Patienten damit um? 

 

Dass wir als Augenärzte bisher unbekannte Allgemeinerkrankungen erkennen, kommt immer wieder vor. Insbesondere Erkrankungen des Blutgefäßsystems kann man am Auge besonders gut sehen, wenn man die Netzhaut betrachtet: Hier liegen die Blutgefäße quasi frei und man kann Veränderungen durch hohen Blutdruck, Diabetes oder Arteriosklerose direkt sehen. 
Wenn ich den Verdacht habe, dass die Erkrankung der Netzhaut, die ich sehe, durch eine Allgemeinerkrankung hervorgerufen wird, ist es ganz wichtig, dass dies von den entsprechenden Fachärzten abgeklärt wird. Die wichtigste Rolle spielt hierbei der Hausarzt. Häufig rufe ich dann dort direkt an, da sich die meisten Dinge in einem persönlichen Gespräch viel schneller und einfacher klären lassen als allein mit einer anonymen Überweisung. Diese Zusammenarbeit fördert nebenbei auch das Vertrauen der Patienten.

 

Und umgekehrt: Geschätzt wie viele Ihrer (neuen) Patienten kommen zu Ihnen, weil ihr Hausarzt oder Internist ihnen wegen einer Grunderkrankung empfohlen hat, einen Augenarzt aufzusuchen?

 

Dies ist sicherlich der weit größere Teil und das ist ja auch gut so. Es zeigt, dass die Patientinnen und Patienten von ihren Hausärzten gut und gründlich betreut werden. Das ist ganz klar meine Erfahrung. Auch gibt es ja die so genannten Disease-Management-Programme von Hausärzten und Krankenkassen, die zum Beispiel Menschen mit Diabetes in regelmäßigen Abständen eine Untersuchung der Augen nahelegen. 

 

Fortsetzung

Interview Teil 2