Herr Conrad: Mitten im Leben trotz feuchter AMD

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„Die Leitplanken waren verbogen und die Lichtmasten waren halb abgeknickt.“ diese Feststellung machte Herrn Conrad im Jahr 2000. Die Diagnose: feuchte AMD. Für den sport- und autobegeisterten Hobbyfotografen war diese Nachricht zunächst ein Schock. Nach einer ersten Phase des Rückzugs startete er neu durch, meldete sich im Fitnessstudio an, nahm Akkordeonunterricht und begann, in einer Band zu spielen. Mit viel Energie, Lebensmut sowie der Unterstützung von Freunden und Familie schaffte er es, sich auf die neuen Lebensumstände einzustellen.

Erfahren Sie in den nachfolgenden Videos und schriftlichen Interviews, wie Herr Conrad mit seiner Erkrankung umgeht und seinen Alltag mit der Netzhauterkrankung meistert.

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Selbstständig unterwegs mit fAMD

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Aufgrund seiner Netzhauterkrankung kann Herr Conrad nicht mehr Auto fahren. Dennoch hat er seinen Führerschein als Erinnerung aufgehoben. Und auch ohne Auto bleibt er mobil, hält sich fit und macht Sport. Erfahren Sie mehr dazu im Interview.

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Betroffene berichten im Interview

VisusVital hat mit Herrn Conrad darüber gesprochen, wie er seine Selbstständigkeit auch nach der Diagnosestellung „Feuchte Altersbedingte Makuladegeneration“ behalten hat. Denn Mobilität ist für den aktiven Senior nach wie vor wichtig. 

Herr Conrad berichtet, wie es für ihn war, nicht mehr Auto fahren zu können und somit auf einen großen Teil seiner Selbstständigkeit zu verzichten. Doch er suchte sich neue Wege und lernte, dass „mobil sein“ auch funktionieren kann, ohne dass man selbst hinter dem Steuer sitzt.

 

VisusVital: Herr Conrad, wir haben in einem vorherigen Interview schon einmal etwas über das Thema "Mobilität" gesprochen. Besitzen Sie noch einen Führerschein? Oder wie war es für Sie, als Sie die Fahrerlaubnis abgeben mussten?

 

Herr Conrad: Ich musste den Führerschein nicht abgeben. Es wurde darüber nicht gesprochen. Denn es war klar, aufgrund der Untersuchungsergebnisse, dass ich nicht mehr fahren kann. Aber ich besitze den Führerschein noch, um vielleicht Enkeln oder wem auch immer nachzuweisen, dass ich mal fahren konnte. Und auch wie ich in jungen Jahren aussah. Deswegen ist noch ein Bild im Führerschein. 

 

VisusVital: Und wie wichtig ist es für Sie, dass Sie auch Ihren Enkeln zeigen können, dass Sie einen Führerschein haben?

 

Herr Conrad: Es ist spaßig! Dass ist nicht mehr Auto fahren kann, akzeptiere ich voll. Gerade, weil meine Frau gut fährt. Und da wo wir hinfahren, fährt sie mich. Das akzeptiere ich voll. 

 

Schwerer fällt mir hingegen, dass ich nicht mehr Rad fahren kann. Weil ich ein leidenschaftlicher Radfahrer war. Das fällt mir schwer. Aber dafür trainiere ich jetzt im Fitnessstudio Spinning. Dass ich auf jeden Fall treten kann, wenn auch auf der Stelle. Aber damit habe ich keine Probleme. 

 

Dass ich das Fotografieren nicht mehr ausüben kann, das fällt mir auch schwer. Das tut weh. Denn ich habe Vorträge gehalten. Ich habe zum Beispiel einen Freund, Bernd Kannenberg, der ist 50km Geher und 1972 Olympiasieger geworden, gefilmt und einen Film über ihn gemacht: "Gold für Bernd Kannenberg". Das geht nun alles nicht mehr.

 

VisusVital: Herr Conrad, Sie gehen auch selber ins Fitnessstudio. Wie wichtig ist das für Sie?

 

Herr Conrad: Das ist für mich ganz wichtig! Weil ich dort Kraft schöpfe. Weil ich Gottseidank von Jugend auf immer Sport gemacht habe. Und demzufolge, was mir die Ärzte bestätigen, andere Ärzte als die Augenärzte, dass ich wirklich fit bin für meine 82 Jahre. Und das merkt man beim Spinning fahren kaum. Hier fahre ich mit den anderen mit und werde von den Trainern gelobt. Oft sagen sie: „Wenn es uns mit 82 Jahren so geht wie dir, dann sind wir sehr froh.“ Ich habe große Anerkennung vor den Trainern dort und das macht mir im Fitnessstudio Spaß. Ich brauche das. Ich brauche den Kontakt zu den Menschen. 

 

VisusVital: Wie oft gehen Sie in der Woche in das Fitnessstudio und was sind Ihre Lieblingsaktivitäten? 

 

Herr Conrad: Ich gehe dreimal in der Woche. Ich gehe insbesondere auch in die Gymnastik. Damit ich trotz des Alters fit bleibe. Nette Menschen sind das dort, die die Gymnastik machen. Und ich gehe mindestens zweimal Spinning fahren. Das dauert eine Stunde. Es kommt mir dann vor oder bilde mir ein bisschen ein, dass ich draußen bin und in der freien Natur fahre. Aber ganz wichtig ist für mich der Kontakt im Studio.

Das Interview können Sie sich auch als Hörspiel anhören und als Video ansehen.

Wie Herr Conrad nach der Diagnose neuen Mut schöpfte

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Die Diagnose AMD war für den sportbegeisterten Herrn Conrad ein schwerer Schlag. Hören Sie im Interview, wie der frühere Fotograf und Fahrradfahrer mit der neuen Situation umzugehen lernte und seinen Weg zurück zu mehr Lebensqualität fand.

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Betroffene berichten im Interview

VisusVital interviewt Herrn Conrad über seinen Kampf gegen die Diagnose AMD

In diesem Interview sprechen wir mit Herrn Conrad. Er hat die Diagnose vor mehr als 15 Jahren gestellt bekommen. Von jetzt auf gleich wurde bei ihm die Diagnose feuchte AMD gestellt. Der sportbegeisterte Senior konnte seinem größten Hobby, dem Fahrradfahren, nicht mehr nachkommen und war am Boden. Doch er kämpfte sich zurück.

VisusVital: Herr Conrad, wann wurde bei Ihnen die Diagnose feuchte altersbedingte Makuladegeneration gestellt und wie war die Diagnosestellung für Sie?

Herr Conrad: Die Diagnose wurde bei mir im Jahr 2000 gestellt. Ich war damals, wie zu dieser Zeit üblich, mit meinem Fahrrad unterwegs. Ich machte meine gewohnte Fahrradtour und sah dann die Leitplanken verbogen sowie die Lichtmasten halb abgeknickt. Das hat mich unsicher gemacht und erschrocken. Am nächsten Tag bin ich direkt zu meinem Augenarzt gegangen, der dann die Diagnose gestellt hat. 

VisusVital: Was veränderte sich an diesem Tag für Sie?

Herr Conrad: Ich habe schon immer sehr, sehr gerne Sport gemacht. Auch Auto bin ich gerne gefahren. Mit meiner Familie sind wir oft in den Urlaub gefahren. Und auch als leidenschaftlicher Amateur hatte ich immer Spaß daran, Fotos zu machen und zu filmen. Schon bei der Diagnosestellung stand für mich fest, dass ich all das nicht mehr wie gewohnt machen können werde. Denn ich konnte bereits damals nicht mehr in die Ferne schauen, ich konnte nicht mehr richtig lesen, dementsprechend nicht mehr richtig schreiben. 

VisusVital: Wie ist Ihre Sehleistung heute?

Herr Conrad: Ich sehe leider nur unter 5% scharf. Besonders schlimm ist für mich, dass ich Gesichter nicht mehr richtig sehen kann. Sie zum Beispiel, wie Sie vor mir sitzen, kann ich nur über die Ränder wahrnehmen. Das heißt, man musste sich über die Jahre daran gewöhnen. Meine Familie, meine Freunde und ein Freund in der Musikschule haben mir Mut zugesprochen und immer wieder gesagt: „Lass dich nicht hängen.“

VisusVital: Sind sie von Anfang an so motiviert gewesen?

Herr Conrad: Nein, das war ich nicht. Am Anfang habe ich mich zurückgezogen und wollte mit keinem mehr etwas zu tun haben. Ich dachte, dass das Leben auf diese Weise zu Ende sei. Doch irgendwann habe ich dann erkannt, dass es so nicht weitergehen kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein Stier bin. Ich bin ein Kämpfer. Und irgendwann habe ich dann wieder begonnen Sport zu machen. Ich habe versucht Musik zu machen. Damals habe ich mit dem Akkordeon spielen angefangen und bin in eine Band eingetreten. Heute spiele ich alles auswendig.

VisusVital: Herr Conrad, ein herzliches Dankeschön für das Gespräch. 

Das Interview können Sie sich auch als Hörspiel anhören und als Video ansehen.

Sport und Musik mit einer Netzhauterkrankung

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In diesem Interview erzählt Herr Conrad, welche Rolle der Sport vor der Diagnose gespielt hat und wie er sich heute fit hält. Außerdem berichtet er, wie es ihm gelang, das Akkordeon-Spiel von Grund auf zu erlernen.

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Betroffene berichten im Interview

VisusVital interviewt Herrn Conrad und spricht mit ihm über seine Hobbys nach der Diagnose „Feuchte Altersbedingte Makuladegeneration“. Sport und musizieren haben einen festen Stellenwert in seinem Alltag.

In diesem Interview erzählt uns Herr Conrad, welche Rolle der Sport vor der Diagnosestellung in seinem Leben gespielt hat und wie wichtig sportliche Aktivitäten auch heute noch für ihn sind. Außerdem berichtet er, wie es ihm gelang, das Akkordeon spielen von Grund auf neu zu erlernen. 

 

VisusVital: Herr Conrad, Wie gut lässt sich ein Training im Fitnessstudio durchführen, wenn Sie von der Diagnose feuchte altersbedingte Makuladegeneration (fAMD) betroffen sind?  Braucht Sie vor Ort Unterstützung?

 

Herr Conrad: Es ist so, dass, die Räder, die wir hier im Studio haben, die haben einen Computerbildschirm. Der Bildschirm muss eingestellt werden, auf die persönlichen Daten. Den kann ihn nicht mehr sehen. Aber dabei gibt gar keine Schwierigkeiten. Wenn ich in das Studio komme, ist sofort ein Trainer da, der meine Daten schon kennt. Denn ich trainiere hier schon einige Wochen. Der Trainer stellt den Computer ein und ich fahre los. Ich mache Spinning auf dem Fahrrad. Bei Spinning wird ja nach Musik gefahren. Das ist das weitere angenehme, dass die Musik so gewählt wird, dass sie animiert. Die lässt einen nicht traurig werden, sondern die animiert! Und man freut sich mit den anderen Kolleginnen und Kollegen; dass das eine schöne Stunde wird, sich sportlich zu betätigen. Und ich kann es eben leicht machen, weil ich keine Schwierigkeiten habe. Weil ich schon zig Jahre sportlich aktiv bin.

 

VisusVital: Wie muss ich mir das vorstellen, wenn Sie in das Fitnessstudio gehen? Dort gibt es ja sicher auch Treppen und Stufen, die Sie überwinden müssen. Oder es gibt Herausforderungen in der Dusche. Wie ist das für Sie?

 

Herr Conrad: Es sind überall Handgeländer, sodass ich sehr langsam die Treppen runtergehen kann. Und beim Duschen muss ich sehr vorsichtig sein, dass ich nicht rutsche. Aber ich komme zurecht. Das geht ganz gut. 

 

VisusVital: Ein weiteres großes Hobby ist auch das Musizieren für Sie. Gibt es dort Unterschiede zwischen "vor der Diagnose" und "nach der Diagnose"? 

 

Herr Conrad: Vor der Diagnose war es nur der Wunsch, dass ich spiele, dass ich etwas spielen möchte. Ich hatte eigentlich von Kindheit her schon ein ganz besonderes Gefühl für ein Akkordeon. Aber das habe ich nicht gespielt, weil ich mein Studium absolviert habe, dann in den Beruf kam; einen sehr anstrengenden Beruf hatte. Ich habe über 35 Jahre ein Wohnungsunternehmen geleitet. Wir haben gebaut, saniert, verkauft - und da wäre ich nicht zum Musik machen gekommen. Als ich dann die ersten Probleme nach der Diagnosestellung überwunden hatte, die ersten Depression hinter mir hatte, dann wusste ich:  ich muss mit dem Akkordeon spielen beginnen. Und dabei kommt es nicht darauf an, dass ich jetzt perfekt spiele. Denn Noten lesen kann ich nicht mehr. Ich muss alles vorgespielt kriegen und spiele es dann auswendig. Das klappt sehr gut. 

 

Wichtig ist für mich: ich spiele selbst. Ich brauche diesen Akkordeonklang. Mal traurig, mal etwas flotter. Das ist das Wichtige, dass ich das Akkordeon habe. Und wenn ich mal wieder ein bisschen verzweifelt bin, dann sage ich mir: „Du weißt doch, es geht und du wirst nicht blind. Und es wird schon wieder. Nimm halt dein Akkordeon. Spiel halt Akkordeon.“ Und das mache ich dann. Da kann ich dann ausdrücken, wie es mir im Augenblick geht.

 

VisusVital: Wenn Sie nicht mehr so gut sehen können und eine Seheinschränkung haben: wird das Gehör dadurch besser geschult und übernimmt andere Funktionen? Was ist Ihre Empfindung?

 

Herr Conrad: Ja, ja, das hatte der Ohrenarzt mir einmal gesagt, dass ich so gute Ohren für mein Alter gar nicht mehr haben dürfte. Aber auch, dass das normal ist: wenn ein Sinn versagt, dann wird der andere umso besser. 

 

Ich höre, beispielsweise, wenn wir essen gehen, und da sitzen Personen am Nachbartisch, dann höre ich manchmal Gespräche mit, obwohl ich das nicht will. Und wenn ich das meiner Frau sage, „die haben das und das Problem“, sagt sie: „Wie kommst du darauf?“ Ja, eben weil ich das höre. Also ja, die Ohren werden besser oder sind bei mir besser und gleichen das mit den Augen aus.

 

VisusVital: Und wie profitieren Sie jetzt auch beim Musizieren von Ihrem besser ausgeprägten Gehör?

 

Herr Conrad: Ich höre Gottseidank sehr gut. Ich höre auch meine eigenen Fehler, wenn ich falschspiele. Ich höre die Fehler ganz genau. Und wir gehen viel ins Konzert. Ich höre auch den Unterschied zwischen guten Musikern und manchen, die nicht so gut sind. Und ich höre auch schon mal einen Fehler heraus.

Das Interview können Sie sich auch als Hörspiel anhören und als Video ansehen.

Mit dem Zug zum Augenarzt

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Für seinen Besuch beim Augenarzt nimmt Herr Conrad eine Anfahrt von über 200 Kilometern auf sich. Erfahren Sie im Interview, warum er seinem Augenarzt trotz Wohnsitzwechsel treu geblieben ist, wie er die Distanz bewältigt und und auf welche Weise die Bahn ihm dabei hilft.

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Herr Conrad: Mobilitätsservice der Bahn

VisusVital interviewt Herrn Conrad und spricht mit ihm über den Weg zum Augenarzt. Mit dem Zug bzw. mit dem Auto hat der aktive Senior eine Anfahrt von mehr als 200km. 

In diesem Interview sprechen wir mit Herrn Conrad. Nach seinem Umzug von Fürth nach Worms stand für ihn schnell fest: „Meine Augenärztin wechsle ich nicht. Ich lasse mich von ihr weiterhin behandeln und nehme die Strecke auf mich.“ Wie er die Distanz bewältigt und welche Art von Unterstützung er in Anspruch nimmt, darüber hat VisuVital mit ihm gesprochen.

 

VisusVital: Herr Conrad, Sie sind von Fürth nach Worms umgezogen. Wie war es für Sie, einen neuen Augenarzt zu finden?

 

Herr Conrad:Wir sind erst im August umgezogen und mein Vertrauen zu meiner Ärztin in Fürth ist so groß, dass ich noch alle vier Wochen nach Fürth fahre und mich dort behandeln lasse. Aber ich nehme diese Fahrt nach Fürth auch wahr, um Kollegen zu treffen. Deswegen will ich auch noch eine Weile dableiben. 

 

VisusVital:Unternehmen Sie die Fahrt nach Fürth weiterhin selbst? 

 

Herr Conrad:Meine Frau ist Begleitperson. Das ist mir zugestanden worden von den Behörden. Sie begleitet mich. 

 

VisusVital:Fahren Sie von Worms nach Fürth gemeinsam mit dem Auto oder mit der Bahn? 

 

Herr Conrad:Mit der Bahn. Oder mit dem Auto. Sie hatte ja neulich selbst einen kleinen Unfall in der Wohnung. Dann fahren wir mit der Bahn.  

 

VisusVital:Wenn Sie mit der Bahn fahren, nehmen Sie einen Service in Anspruch, der Sie auf der Reise unterstützt?

 

Herr Conrad:Ja, ich hatte einen Bruder in Hannover. Leider ist er schon verstorben. Daher weiß ich: Man meldet sich bei der Bahn an und bekommt einen Betreuer zur Verfügung gestellt. Meist trifft man sich mit ihr / ihm am Informationsstand. Er holt mich ab und begleitet mich in den Zug. Hier habe ich einen festen Sitzplatz reserviert. Und so bin ich nach Hannover gefahren und war für die Strecke angemeldet. In Hannover angekommen wurde ich abgeholt und wieder aus dem Zug auf den Bahnhof begleitet. Das funktioniert wunderbar bei der Deutschen Bahn.

 

VisusVital:Wie wichtig ist das für jemanden wie Sie, in Ihrer Lage?

 

Herr Conrad:Das ist schon wichtig, ja. Ich freue mich über den Service. Denn wenn ich weiß, dass ich den Zug noch bekommen muss, hätte ich mehr Stress. Und so wird mir dieser genommen. Und auch die Suche nach dem Sitzplatz ist so viel einfacher. Den Service nehme ich gerne an. Das sind alles nette Leute. Und da bin ich froh, dass ich nicht alleine bin. 

 

Manchmal versuche ich zu testen, mal nach Mannheim zu fahren oder so. Nur zum Bahnhof mit meinen Kindern. Meine größte Enkelin ist 13 Jahre. Sie sagt: „Komm wir fahren mal nach Mannheim und essen da etwas.“ Und das ist schon schwierig, dass ich bei der Bestellung, die Speisekarte richtig lese. Denn ich kann ja nicht mehr lesen. Das macht dann meine Tochter für mich. 

 

Es ist in der Öffentlichkeit nicht immer ganz leicht zu sagen, dass Sie nicht mehr richtig sehen können. Das sind Situationen, in denen man sich immer wieder selbst eingestehen muss: 

„Ich sehe schlecht.“ Das ist für die Psyche nicht immer ganz einfach. Aber so komme ich zurecht. Und die Deutsche Bahn kümmert sich auf der Reise um mich, das geht. 

 

VisusVital:Wenn Sie den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn in Anspruch nehmen möchten, wo bekommen Sie dort weitere Informationen? Gehen Sie an den Schalter oder rufen Sie an?

 

Herr Conrad:Ich rufe an und sage: Ich bin behindert. Dann erwidern sie, dass es einen Informationsdienst gibt. Dieser wird verständigt und lässt sich meine Daten geben: Wann sind Sie an der und der Stelle, wo wollen Sie hin und so weiter. Und ich warte dann am Informationsstand. Und dann meldet sich einer: Ich bin‘s, ich fahre Sie hin und er holt mich auch direkt, wenn ich umsteigen muss, wieder aus dem Zug. Das nutze ich gerne.

  

Das Interview können Sie sich auch als Hörspiel anhören und als Video ansehen.

Die erste Zeit nach der Diagnose

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In diesem Interview schildert Herr Conrad die erste Zeit nach seiner AMD-Diagnose. Erfahren Sie, wie sich der begeisterte Sportler motivierte und zurück in den Alltag kämpfte.

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Ja nicht zurückziehen!

VisusVital interviewt Herrn Conrad und spricht mit ihm über seinen Umgang mit der Diagnose feuchte altersbedingte Makuladegeneration. So motiviert sich Herr Conrad und bleibt weiterhin aktiv 

 

In diesem Interview sprechen wir mit Herrn Conrad. Als er die Diagnose feuchte altersbedingte Makuladegeneration (fAMD) gestellt bekam, fiel er in den ersten Monaten in ein Loch. Sport und Kultur, zwei für ihn wichtige Bestandteile in seinem Leben, konnte er nicht mehr wie gewohnt verfolgen. Doch er motivierte sich und kämpfte sich zurück.

VisusVital:Wie reagierte denn Ihre Frau, oder auch Ihre Familie, als Sie davon erzählten?

Herr Conrad:Also zunächst einmal, weil man es ja nicht sieht, weil, ich bin ja ein bisschen erfreut darüber, dass mir nicht jeder gleich ansieht: Der ist blind, der verdreht die Augen. Ich hoffe, dass es immer noch so ist. Meine Frau ist sehr optimistisch und da sagte sie: Komm wir machen das schon und das wird schon wieder. Das ist ein Virus, den du im Auge hast. Diese Krankheit, ja, ja… Vor allen Dingen, ich war noch relativ jung. Diese Krankheit ist ja nicht ganz unbekannt. Ältere Menschen bekommen auch diese Makuladegeneration. Aber, ich war ja gerade 60, naja, 64, 65. Und die war also nicht gleich ganz… Als sie dann gesehen hat, dass ich mich immer mehr zurückgezogen habe, nicht mehr beteilige, nicht mehr weggehen wollte, dann wurde sie schon traurig. Und hat sich noch mit Freunden, auch mit Sportskameraden unterhalten, die alle gesagt haben: Komm, der muss raus! Lass uns gemeinsam treffen. Lass uns gemeinsam irgendwo hingehen. Noch mehr ins Theater, noch mehr ins Konzert. Und wir müssen ihn da rausreißen. Und der eine hat mich auch zur Musikschule mitgenommen und gesagt: Komm, du spielst ein Instrument. Und so hat meine Frau sich doch schon sehr gekümmert, dass ich nicht so sehr ins Abseits gerate und in die Depression verfalle. Ja nicht zurückziehen, denke ich immer. Und so, nach dem Grundsatz, verhandle ich auch.

VisusVital:Wie wichtig ist es denn für Sie, wenn Sie auch mit anderen Personen sprechen, die die gleiche Diagnose haben, dass man trotzdem optimistisch bleibt?

Herr ConradJa, das ist ebenso. Wenn Leute optimistisch bleiben, ich kenne einen, ja, der sieht es genauso wie ich. Der sagt: Ja Karl-Heinz, wir hoffen beide, dass es nicht dem einen oder uns beiden schlechter geht. Und wir reden auch mit Leuten, die traurig sind oder die nicht mehr daran glauben. Ganz gesund, sagen wir ihnen, wirst du nicht mehr. Aber du kannst mit dazu beitragen, dass du die Krankheit nicht mehr so empfindest. Denn es ist auch eine physische Sache. An manchen Tagen denkt man: Oh Gott, jetzt wird es schlechter. Es ist ja ganz schlechter geworden. An manchen ist es besser. Es ist auch eine Einstellungssache.

Wenn man insgesamt gut drauf ist, geht es auch mit den Augen. Und man muss einfach daran glauben. Fest daran glauben, dass es geht. Dass man nicht blind wird und es gehört wohl auch nicht zu dem Krankheitsbild bzw. zu der Diagnose dieser Krankheit, dass die Menschen blind werden. Und insofern bin ich immer ein bisschen froh, möchte sagen, ich habe auch die Krankheit akzeptiert, dass ich manchmal sehe, wenn ich Bus gefahren bin, wir sind ja nun umgesiedelt von Fürth nach Worms, wenn ich in Fürth Bus gefahren bin und gesehen habe, wie ältere Menschen mit zwei Stöcken kommen und sich tasten an die Bustür, dass sie reinkommen. Das sich das Gott sei Dank noch nicht habe. Und die Ärztin mir auch sagt, es wird schlimmer werden. Sie werden nur einen kleinen Kranz sehen, an Ihrem Auge. 

Wenn ich zum Beispiel jetzt so schaue, dann sehe ich Sie besser, als wenn ich Sie anschaue. Aber die Ärztin sagte mal, schauen Sie den Menschen ins Gesicht. Sie wissen ja, wo die Augen sind. Und wenn Sie daneben schauen, dann sieht das nur so aus, als ob Sie zu schüchtern sind. Und da brauche ich also auch drauf. Naja, und wenn es sich noch ein bisschen verschlechtert, ich werde nicht mehr Akkordeon spielen können, ich werde nicht mehr frei joggen können und irgendwo hingehen. Ich kann die Straßennamen nicht mehr lesen. Aber ich denke, es wird schon. 

Und vor allen Dingen, das ist ja auch das, wenn ich die Gelegenheit habe, auch so zu sprechen, und alle vier Wochen in die Praxis komme, und dort 30, 40 Menschen, 50 Menschen manchmal sehe, die auf die Behandlung warten. Und viele mit ähnlicher Krankheit, die am Anfang sind, und noch nicht so weit wie ich. Dass ich mich einschalte und sage: Leute, ich habe dasselbe. Ihr werdet nicht blind. Lasst euch nicht hängen. Lest, lest soweit ihr noch könnt, lest noch Bücher und fallt auf jeden Fall nicht in die Depression. Es geht weiter. Oder spielt auch Musik. „Ja, wir sind ja schon so alt…“ Jeder kann mit Musik beginnen. Ich habe mit 60 Akkordeon zu spielen angefangen. Jeder kann das. Und Sport. Sport, das ist ganz wichtig. Es war mein Hobby ich habe es beibehalten. 

Und die Verzweiflung, wenn das entdeckt wird, habe ich auch gehabt, aber selber zusammenreißen. Nicht in die Ecke zurückziehen und jetzt sagen: Ich bin jetzt krank. Auch wenn mal ein Busfahrer, so wie es bei mir war, wenn ich das Geld hingehalten habe „Würden Sie es nehmen?“ und der Busfahrer sagt: Wie komme ich dazu? Die Leute verstehen nicht gleich alle, das einer eine solche Schwierigkeiten / eine solche Krankheit hat. Ein Busfahrer hat mich sogar einmal gefragt: Was tragen Sie da für ein Zeichen? Wenn ich dieses gelbe Zeichen mit drei Punkten habe; oder wenn ich eingestiegen bin und habe gefragt: Sind Sie der 178er. Dann hat er gesagt: „Wenns draußen dran steht, dann ist es wohl so.“ Also das erlebt man Aber daran darf man nicht verzweifeln. Man muss im Leben bleiben. In den Gebieten, wo man mitmischt, wo man etwas zu sagen hat, ja nicht zurückziehen!

Das Interview können Sie sich auch als Hörspiel anhören und als Video ansehen.

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