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Interview Dr. Lemmen

Das diabetische Makulaödem im Fokus

VisusVital-Interview mit Dr. Klaus Dieter Lemmen

Um dem diabetischen Makulaödem, einer Folgeerkrankung des Diabetes Mellitus vorzubeugen, sind ein gesunder Lebensstil und regelmäßige Kontrollen des Augenhintergrundes beim Augenarzt sehr wichtig.

 

Im Interview mit VisusVital erklärt Dr. Klaus Dieter Lemmen, Experte für Diabetische Retinopathie und Makulopathie, worauf es bei der Augenvorsorge ankommt und was Patienten rund um die Kontrolluntersuchungen und die Behandlung im Falle eines DMÖ wissen sollten.

 

Herr Dr. Lemmen

Herr Dr. Lemmen, müssen alle Menschen mit Diabetes immer auch einen Augenarzt aufsuchen? Und trifft dies auf beide Diabetes-Typen, Typ-1 und Typ-2, zu?

Alle Diabetiker sollten ihre Augen kontrollieren lassen: bei Typ 1-Diabetes bei einem Kind unter 11 Jahren nach 5 Jahren Diabetesdauer, sonst ab dem 11. Lebensjahr; bei Typ 2-Diabetes ab Diagnosestellung. 
 

Was genau passiert im Körper eines Menschen mit Diabetes, dass die Augen Schaden nehmen können?

Der chronisch erhöhte Blutzucker stört die Reparaturvorgänge der Gefäße der Netzhaut durch einen Botenstoff , den „vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor“ (englisch: „Vascular endothelial Growth Factor“ / VEGF).

Normalerweise sorgt er für stabile Gefäßwände und regelmäßige Gefäßerneuerung.  Dadurch werden die Gefäßwände zunächst porös, es kommt zum Austreten von Flüssigkeit in das umgebende Gewebe (Ödem). Dies spielt sich bevorzugt im Bereich der Stelle des schärfsten Sehens, der Makula, ab und führt zu allmählicher Sehverschlechterung.  Im weiteren Verlauf entstehen Gefäßverschlüsse mit Sauerstoffmangel, die zu einer krankhaft-überschießenden Gegenregulation mit Gefäßneubildungen, der sogenannten proliferativen diabetischen Retinopathie, mit hohem Risiko einer Erblindung führt. Dieser Krankheitsverlauf wird durch einen schlecht eingestellten zu hohen Blutdruck verschlechtert. 

 

Wie hoch ist das Risiko für Menschen mit Diabetes, irgendwann an den Augen zu erkranken – geschätzt in Prozent? Und was können Betroffene tun, um dieses Risiko zu reduzieren?

Durch die inzwischen verbesserte Einstellung von Blutzucker und Blutdruck hat sich das Risiko diabetischer Augenschäden in den letzten Jahren zwar verringert, besteht aber weiterhin bei 24 – 27 % aller Menschen mit Typ-1-Diabetes und bei 9 – 16 % derer mit Typ 2 Diabetes. Verhindern kann man dies durch eine gute Blutzuckereinstellung mit stabil gutem HbA1C unter Vermeidung von Unterzuckerungen (Hypoglykämien). Wichtig ist auch eine gute Blutdruckeinstellung. Selbst kann man dazu beitragen, indem man auf normales Körpergewicht durch gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung achtet.  

 

Was empfehlen Sie: In welchen zeitlichen Abständen ist ein Augencheck zu empfehlen?

Wenn keine Augenveränderungen vorliegen jährlich, sonst kurzfristiger nach Empfehlung des Augenarztes.

 

Ist dieser Turnus auch nötig, wenn ein Diabetes gut eingestellt ist?

Wenn Blutzucker und Blutdruck gut eingestellt sind, außerdem die Nieren gesund sind und keine Schwangerschaft vorliegt kann man bei unauffälligem Augenbefund das Untersuchungsintervall auch auf 2 Jahre verlängern.

 

Warum ist es so wichtig für Diabetes-Patienten, regelmäßig zum Augenarzt zu gehen? 

Die diabetischen Netzhautschäden machen keine Schmerzen und entwickeln sich so allmählich, dass Sehverschlechterungen mit Unscharf- und Verzerrtsehen erst relativ spät bemerkt werden. Dadurch vergibt man einen Teil der guten Erfolgsaussichten bei früher Diagnose und rechtzeitiger Behandlung.

 

Kann ein Diabetes-Patient auch zuhause seine Sehkraft kontrollieren und somit selbst aktiv zur Vorsorge beitragen?

Man kann seine Sehkraft in der Ferne z.B. im Straßenverkehr (Verkehrsschilder, Kfz-Kennzeichen) oder beim Blick durchs Fenster auf die Umgebung testen, für die Nähe merkt man beim Lesen vor allem des Kleingedruckten rasch, wenn das Sehen schlechter wird.

 

Diabetes-Patienten haben meist bereits wegen ihrer Grunderkrankung viele Arzttermine. Wie gelingt es Ihnen, Ihre Patienten zu motivieren, zusätzlich regelmäßig zu Ihnen zu kommen?

Durch die inzwischen verbesserte Einstellung von Blutzucker und Blutdruck hat sich das Risiko diabetischer Augenschäden in den letzten Jahren zwar verringert, besteht aber weiterhin bei 24 – 27 % aller Menschen mit Typ-1-Diabetes und bei 9 – 16 % derer mit Typ 2 Diabetes.


Dabei ist es wichtig, zu wissen, dass man diese Augenveränderungen leider zunächst selber nicht bemerkt, sondern schlechteres Sehen erst in relativ späten Stadien auftritt/erkennbar wird. Da auch hier gilt „je früher erkannt – desto erfolgreicher zu behandeln“ ist es wichtig, schon beginnende Veränderungen bei rechtzeitigen Kontrollen möglichst frühzeitig zu erkennen und zu therapieren. Motivierend für Patienten ist auch, dass man das Ergebnis der Augenuntersuchung sehr gut als Bild dokumentieren und damit Patienten und ihren Angehörigen anschaulich erklären kann, um was es geht und wie es um die Augen steht.

Lesen Sie jetzt die Fortsetzung des Interviews mit Dr. Lemmen

Interview Teil 2